Öffentliche Krankenkasse?

Für was arbeiten wir?

Mich wundert es, dass ein Grossteil aller Politiker gegen die Einheits-Krankenkasse ist. Entweder sind diese besser informiert als ich, oder aber es liegen andere Gründe auf der Hand, als dass sich diese Politiker im Sinne eines zukünftig bezahlbaren Gesundheitssystems einsetzen.

Doch so einfach scheint mir die Sache nicht. Die bisherige Entwicklung hat gezeigt, dass jeder Versuch, die Kosten des Gesundheitswesens in den Griff zu bekommen, schlichtweg gescheitert ist. Für mich, und viele Mitbürger, geht es bei dieser Abstimmung um die finanzielle Existenz von Familien und des Mittelstandes. Es geht um die Frage, für was arbeiten wir?

Die Gegner der öffentlichen Krankenkasse behaupten, dass 2500 Stellen verloren gehen. Oder dass die Umstellung auf eine öffentliche Krankenkasse enorm viel Geld kostet. Reichen diese Argument um Nein zur öffentlichen Krankenkasse zu sagen?

Ja wer bezahlt denn das Gehalt der 2500 Mitarbeiter? Wer bezahlt die ganzen Prunkbauten der Krankenkassen, für eben genau diese redundanten Arbeitsplätze? Wer bezahlt die aufwendigen Marketings, damit Kunden und Kundinnen für die obligatorische Grundversicherung gewonnen werden können?

Alle Krankenkassen machen genau das Gleiche, einfach nur redundant. Sind sie damit effizienter? Und wird es dadurch billiger?

Die Grundversicherung ist obligatorisch, also kann man die Administration dafür auch zentralisieren, was in der heutigen Zeit ja EDV-technisch kein Problem ist.

Die Gegner argumentieren ebenfalls mit „gescheiterten“ Einheitskassen im Ausland, und mit unserer hervorragenden Gesundheitsversorgung. Dass wir eine super Gesundheitsversorgung haben, ist nicht von der Hand zu reden. Aber die versteckten Kosten für dieses teure Gesundheitssystem stehen auf einem anderen Blatt geschrieben.

Ein weiterer Kostentreiber und Hauptverantwortliche sind die Kantone, die schon seit jeher die Kompetenz haben, den Spitälern Auflagen zu machen, damit sie in die kassenpflichtigen Spitallisten aufgenommen werden.

Doch die Gesundheitsdirektionen schaffen es offensichtlich nicht, bei der Spital-Lobby Mindestfallzahlen vorzuschreiben. Einige Kantone «wagen» jetzt diesen Schritt und schreiben neu, wie etwa der Kanton Zürich, mindestens zehn Operationen pro Jahr vor. Bei gewissen besonders risikoreichen Operationen, wie die der Bauchspeicheldrüse, reichen allerdings zehn Operation pro Jahr nicht aus, um die nötige Routine zu erreichen.
Damit die Spitäler auf die Liste kommen, müssen sie also operieren was das Zeugs hält. Auch unnötige und kostenintensive Operationen sind angesagt, damit das Soll-Ziel für die Liste erreicht ist. Macht dies das Gesundheitswesen günstiger?

Der Preisüberwacher Stefan Meierhans sieht bei den Medikamentenpreisen noch Spielraum – nach unten. So hat er gefordert, dass Bundesrat Alain Berset energischer gegen Firmen vorgehen soll, die «Schweizer abzocken».

Wieso sind denn die Medikamentenpreise in der Schweiz teilweise um ein Vielfaches teuerer als in den anderen Ländern? So konnte man auf infosperber.ch kürzlich folgendes lesen:

Gigantische Medikamenten-Preise: Nicht um Forschungskosten zu decken, sondern um Investoren Gewinne zu sichern.
Für das kleine Pharma-Unternehmen Intermune, das bei einem Umsatz von 130 Millionen Dollar rote Zahlen schreibt, bietet der Roche-Konzern 8,3 Milliarden Dollar. Dies entspricht dem 63-fachen des Umsatzes.

Die 8,3 Milliarden sind nicht für Forschungsaufwand, sondern für Verkaufsaussichten „investiert“. So gibt es in der EU 200’000 Patienten, welche genau für dieses Medikament in Frage kommen. Roche rechnet pro Patient mit einem jährlichen Preis von 40’000.- bis 50’000.-.

Die Kosten von 40’000.- bis 50’000.- pro Patient und Jahr gehen zu Lasten der Grundversicherung, und damit der Prämienzahlenden. Roche wird dies mit ach so teuren Ausgaben für Forschung und Entwicklung rechtfertigen. Und falls das Bundesamt für Gesundheit den geforderten Medikamenten-Preis nicht akzeptieren wird, macht Roche eine Kampagne, mit derer sie die Behörden der «Zweiklassenmedizin» bezichtigt, weil sich nur noch Zusatz- oder Privatversicherte das Medikament leisten könnten und Allgemeinversicherte, die an Lungenfibrose erkrankt sind, in den früheren Tod geschickt würden.

Diese erpresserische Methode hat System.

Auf Tagblatt Online vom 11. März 2014 war zu lesen:

Einigung zu Prämien steht

Die Räte haben sich darauf geeinigt, wie die in manchen Kantonen zu viel und in anderen zu wenig bezahlten Krankenkassenprämien ausgeglichen werden können. Der Ständerat hat die Lösung des Nationalrats gutgeheissen.

Wie wir feststellen können, gibt es da bereits heute schon eine staatliche Einmischung, respektive Regulierung.

Die Krankenkassenprämien bereiten den Menschen in der Schweiz die grössten Sorgen, wie es das Konsumentenforum kürzlich publiziert hat. Auf einer sechsstufigen Sorgenskala erhielten die steigenden Prämien der Krankenkassen die zweithöchste Note 5 und erwiesen sich damit als grösste Sorge. Für Konsumentenforum-Präsidentin Franziska Trösch-Schnyder ist dieses Resultat ein Zeichen, dass vor allem die Mittelklasse unter der Belastung durch die Prämien leidet.

Zusammenfassend nochmals die wichtigsten Punkt, welche die Krankenkassen-Prämien nach oben treiben:

  • Alle Krankenkassen machen genau das Gleiche, einfach nur redundant.
  • Mehr Kosten bei gleicher Leistung der Grundversicherung.
  • Viele unnötige, risikoreiche und kostentreibende Operationen, damit Spitäler in kassenpflichtige Spitallisten aufgenommen werden.
  • Massiv überhöhte Medikamentenpreise, – auch aufgrund von Spekulationen.
  • Die Krankenkassenprämien bereiten den Menschen, und insbesondere dem Mittelstand, in der Schweiz die grössten Sorgen.
  • Managed Care ist gescheitert.
  • Fallpauschalen erwirken auf absurdem Weg noch höhere Gesundheitskosten.
  • Kunden für die obligatorische Grundversicherung werden mit unnötigen und kostenintensiven Marketings gewonnen.
  • Asylanten, Papierlose und Sozialhilfeempfänger sind genauso versichert, wie wir Arbeitenden, – jedoch auf unsere Kosten via Krankenkassenprämie.

Die Räte bestimmen heute schon über den Ausgleich der bezahlten Krankenkassenprämien. Der zentralistische Gedanke, die staatliche Einmischung und Regulierung ist bereits Realität. Das Schweizer Gesundheitssystem ist sehr nahe an einem staatlichen System.

Mit der Einheitskrankenkasse kann dem Selbstbedienungsladen Gesundheitswesen massiv stärker entgegen gewirkt werden. Mit dem heutigen System der vielen Krankenkassen ist das nicht möglich, da zuviele verschiedene Interessen beteiligt sind, welche vom Gesundheitswesen profitieren wollen, – auch wenn sie über Leichen gehen.

Es ist richtig, dass der Föderalismus gelebt und erhalten werden muss. Wenn man aber unter dessen Deckmantel finanziellen Wildwuchs im
Krankheitswesen duldet, und alle bisher unternommenen Anstrengungen keine finanzielle Entlastung brachten, – das Gegenteil ist der Fall, dann muss man sich ernsthaft fragen ob der bisherige Weg der richtige ist.

Das einheitliche Versicherungen funktionieren beweisen SUVA und AHV.

Tatsache ist, wir können nicht verbindlich sagen, ob der bisherige Weg eventuell eines Tages einen Lichtblick bringt, oder der Weg über die öffentliche Krankenkasse eine spürbare Entlastung im Portemonnaie von jedem bedeutet.

Wenn man für eine Familie fast 12’000.- Franken Krankenkassen-Prämie pro Jahr bezahlt, was 2 Monatsgehältern entspricht, und für die Steuern ebenfalls fast 2 Monate arbeitet, dann stimmt etwas nicht mehr.

Ich möchte nochmals auf die Eingangsfrage zurückkommen. Für was arbeiten wir?

Fazit: Wir arbeiten nicht für unseren Lebensunterhalt, sondern für die Steuern und Krankenkassen.

Die bestrifft vor allem den Mittelstand. Indem wir einfach nur einstimmig Nein zur öffentlichen Krankenkasse sagen, ändern wir am bestehenden System nichts.

Die Demokratie ist auch in Gefahr durch schweigende Untätigkeit der Mehrheit. (Wolfgang Thierse)

Marcel Toeltl