Anonyme IG vs anonymer Gemeinderat

Es wäre ja schon spannend zu erfahren welche Persönlichkeiten hinter der anonymen Interessengruppe St. Margrethen stehen. Und auch wenn dies nie bekannt werden sollte, so kann doch eines gesagt werden. In der IG sind mit aller Wahrscheinlichkeit alles Bürger welche zum Thema Steuerfuss gleicher Meinung sind.

Doch ist das in wichtigeren Interessensgruppen auch so?

Eine solche Interessensgruppierung ist z.B. der Gemeinderat, welcher die Interessen der Gemeinde und der Bürger zu vertreten hat.

“Der Gemeinderat hat beschlossen….” heisst es jeweils.

Uns würde es aber auch interessieren welcher von uns gewählte und bezahlte Gemeinderat bei welchen Geschäften welche Meinung vertreten hat. Aber da scheint es keine Rolle zu spielen. Einer anonymen IG wird dies jedoch zum Vorwurf gemacht.

Die von uns gewählten und bezahlten Gemeinderäte verstecken sich hinter der Gruppe Gemeinderat, aber kritische Bürger sollen sich exponieren?

Aber ist schon klar. Beim kollegialen Gemeinderat will man sich nicht exponieren und öffentlich eine andere Meinung vertreten, denn es geht ja immer auch wieder um die nächsten Wahlen.

Sollte jedoch mal ein Gemeinderat gegen die anderen reden, wird ihm die Kollegialität und das Leben im Gemeinderat erschwert. Ich erinnere da an einen Zeitungsartikel im Frühjahr 2019 von Gert Bruderer, Rheintaler. Da wird vom Aussenseiter im Gemeinderat, dem schwarzen Schaf, und einer “Person non grata” gesprochen. Kurzum, einer unerwünschten Person. Er habe sich widerborstig im Amt aufgerieben, und böse Zungen sahen das Problem Andreas Trösch als Fremdkörper im Rat.

Auch wenn ich nicht weiss wer alles hinter der IG St. Margrethen steckt, so finde ich es doch absolut legitim wenn sich diese IG bedeckt hält. Was der Gemeinderat praktiziert darf sicher auch von normalen Bürgern so gemacht werden. Denn ein normaler Bürger exponiert sich damit anders und es könnten sich ihm vom Arbeitgeber usw. Probleme ergeben. Da kann ich aus eigener Erfahrung sprechen.

Marcel Toeltl

Wenn die FDP mit schönen Worten die Realität ausblendet

Ich habe gesucht und gesucht, konnte aber nicht wirklich irgendwo einen Beweis finden, dass sich St. Margrethen in allen Belangen positiv weiterentwickelt, wie es Ralph Brühwiler, Präsident der Ortspartei FDP St. Margrethen, im heute erhaltenen Wahlflyer hervorzuheben wagte.

Bei meiner Recherche zeigte sich jedoch ein ganz anderes Bild zur Entwicklung der Gemeinde.

Der Quellennachweis für die nachfolgenden Ausführungen befindet sich am Schluss dieser Kolumne.

Bevölkerung

Die Anzahl der Geburten (64) heute ist leicht höher wie der Durchschnitt der letzten 40 Jahre, welcher bei knapp 59 liegt. In den letzten 20 Jahren lag der Rekord bei 68 Geburten im 2014. In den Jahren davor 83 (1989), 83 (1994) und 80 (1996).


Es gibt also kein Wachstum an Familien mit Kindern. Das Bevölkerungswachstum ist stabil.
Der Ausländeranteil liegt bei ca. 50 Prozent.

Arbeit

Die Beschäftigten/Arbeitsplätze in St. Margrethen sind in den letzten 10 Jahren um fast 10 Prozent weniger geworden. Waren es im 2011 noch 3423 Arbeitsplätze, sind es im 2018 nur noch 3158. Ab 2019 steigen die Zahlen kurzfristig wegen Stadler Rail. Mehr dazu später.

Die Beschäftigungsdichte in unserem Dorf ist in den letzten 10 Jahren um 13 Prozent gefallen. Dafür ist die Beschäftigung in KMU’s im selben Zeitraum um 11 Prozent gestiegen.

Während die Anzahl Grenzgänger in den letzten 10 Jahren von 438 auf 350 gefallen ist, ist sie hingegen in nur einem Jahr auf 570 (2019) angestiegen. Der Anteil an Hilfsarbeitskräften dieser Grenzgänger stieg von 8.5 Prozent im Jahr 2002 auf 24.8 Prozent im Jahr 2019.

Diese Grenzgänger, und insbesondere der hohe Anteil davon an Hilfsarbeitskräften, sind nicht gerade diejenigen, welche ihr Geld bei uns ausgeben. Sie nutzen unsere teure Infrastruktur (Passerelle und eventuell den überdimensionierten Busbahnhof) welche wir bezahlen.

Gemäss Wikipedia wird der Zughersteller Stadler Rail mit geplanten 900 Mitarbeitern grösster Arbeitgeber der Gemeinde. Berücksichtigt man die emporgeschnellten Zahlen der Grenzgänger, dürften demnach etwa 220 Grenzgänger dabei sein, was gut 25 Prozent der Belegschaft bei Stadler Rail entspricht. Damit ist auch verständlich weshalb sich Peter Spuhler gegen die Begrenzungsinitiative stellt und damit der SVP in den Rücken fällt.

Betriebe

Die Anzahl der Betriebe in St. Margrethen belief sich vor 8 Jahren auf 471 (2011). Im 2018 waren es noch 445.
Die Entwicklung der einzelnen Betriebsgrössen für denselben Zeitraum ist negativ.
Mikrobetriebe: Reduktion von 407 Betrieben auf 385
Kleinbetriebe: Reduktion von 56 Betrieben auf 52
Mittelgrosse Betriebe: Gleichbleibend bei 8
Grossbetriebe: Gleichbleibend bei 0

Sicherheit

Die Kantonspolizei listet für unsere Gemeinde folgende Straftaten auf:

Straftaten nach Strafgesetzbuch: Im Jahr 2018 waren es 296, im Jahr 2019 dann 325. Dies entspricht einer Steigerung um +10%.

Straftaten nach Betäubungsmittelgesetz: Im Jahr 2018 waren es 250, im Jahr 2019 dann 282. Dies ist eine Steigerung um +13%. Damit sind wir auf Platz 3 des gesamten Kantons.

Straftaten nach Ausländer- und Integrationsgesetz: Im Jahr 2018 waren es 92, im Jahr 2019 dann 89. Dies ein Rückgang um -3%. Auch hier liegen wir auf Platz 3 des gesamten Kantons.

Mit 55.2 Straftaten nach StGB pro 1000 Einwohner, befinden wir uns knapp hinter der Stadt St. Gallen mit 59 Straftaten pro 1000 Einwohner.

Wohnungsmarkt

Die Preise und Mieten liegen im mittleren Niveau.
St. Margrethen hat eine sehr hohe Leerwohnungsziffer von 3.2%.
Die Mobilität/Erreichbarkeit wird eher als Schwach beurteilt.

Bauaktivität

Die Bauaktivität in unserem Dorf gilt als Schwach. Im Zeitraum 2017-2019 wurden 1.3% vom Wohnungsbestand bewilligt, jedoch nur 0.2% gebaut. Im Vergleich dazu wurden im Kanton SG 1.1% bewilligt und 1.0% gebaut.

Steuern

Die Einkommenssteuer gilt als mittlere Belastung.

Fazit

Mir ist es mit öffentlich zugänglichen Daten nicht gelungen, irgend ein Belang zu finden, in dem sich St. Margrethen positiv entwickelt dank der FDP.

Wir haben

  • eine sehr hohe Leerwohnungsziffer
  • ein minimales Bevölkerungswachstum durch Migration
  • und damit verbunden einen Ausländeranteil von über 50%
  • rückläufige Zahlen von Mikro- und Kleinbetrieben
  • Steigerung um 10% und mehr bei Straftaten
  • eine schwache Bauaktivität
  • von den über 3000 Arbeitsplätzen sind mindestens 570 durch Grenzgänger besetzt
  • eine Luxus-Passerelle und Busbahnhof

Quellennachweis

  • https://www.sg.ch/ueber-den-kanton-st-gallen/statistik/themen.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/St._Margrethen
  • https://www.sg.ch/sicherheit/kantonspolizei/statistiken/_jcr_content/Par/sgch_downloadlist/DownloadListPar/sgch_download_1192375047.ocFile/Kriminalstatistik%20Kanton%20St.Gallen%202019.pdf
  • https://www.raiffeisen.ch/st–gallen/de/privatkunden/hypotheken/hypopedia/gemeindeinfo.st-margrethen.html

Nun stellt sich die Frage in welchen Belangen die FDP St. Margrethen wirklich etwas zum Positiven bewegt hat.

Marcel Toeltl